Die vier edlen Wahrheiten


Alles Leben ist Leiden.

"Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit vom Leiden.
Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden,
mit Unliebem vereint sein ist Leiden, von Lieben getrennt sein ist Leiden,
nicht erlangen, was man begehrt, ist Leiden - kurz:
Die fünf Gruppen von Daseinsfaktoren sind Leiden"


Leiden entstehen aus Begierden.

"Was aber, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit von der Leidensentstehung?
Es ist jenes Wiederdasein erzeugende, von Lust und Gier begleitete,
bald hier bald dort sich ergötzende Begehren,
nämlich das Sinnliche Begehren,
das Daseinsbegehren,
das Selbstvernichtungsbegehren."


Die Aufhebung dieser Begierden führt zur Aufhebung des Leidens und zur Unterbrechung der Kette der Wiedergeburten.

"Was aber, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit von der Leidenserlöschung?
Es ist eben dieses Begehrens restloses Erlöschen,
Aufgeben, Loslassen, Befreiung und Loslösung davon."


Der Weg zu dieser Befreiung ist der "heilige achtteilige Pfad":

rechtes Glauben, Handeln, Denken, Streben, Gedenken, Reden, Leben, Sich-Versenken.

"Was aber, ihr Mönche, ist rechte Erkenntnis?
Es ist das Erkennen des Leidens, der Leidensentstehung, der Leidenserlöschung und des zur Leidenserlöschung führenden edlen achtfachen Pfades."

"Was aber, ihr Mönche, ist rechte Gesinnung?
Es ist eine Gesinnung frei von Sinnenlust, Haß, Grausamkeit."

"Was aber, ihr Mönche, ist rechte Rede?
Vermeidung von Lüge, Hinterbringung, roher Rede und törichtem Plappern."

"Was aber, ihr Mönche, ist rechte Tat?
Vermeidung von Töten lebender Wesen, Stehlen und Ehebrechen."

"Was aber, ihr Mönche, ist rechter Lebenserwerb?
Daß da der edle Jünger einen verkehrten Lebenserwerb vermeidend sich auf eine rechte Weise seinen Lebensunterhalt verdient."

"Was aber. ihr Mönche, ist rechte Anstrengung?
Da erweckt der Mönch in sich den Willen, unaufgestiegene üble, unheilsame Dinge nicht aufsteigen zu lassen . . .
aufgestiegene üble, unheilsame Dinge zu überwinden . . .
unaufgestiegene heilsame Dinge zu erwecken . . .
aufgestiegene heilsame Dinge festzuhalten und nicht schwinden zu lassen,
sondern zum Wachsen und Gedeihen und zur vollen Entfaltung zu bringen.
Und er müht sich ab, bietet alle Willenskraft auf, treibt seinen Geist an und kämpft."

"Was aber, ihr Mönche, ist rechte Achtsamkeit?
Da verweilt der Mönch in Betrachtung des Körperlichen . . .
der Gefühle . . . des Bewußtseins . . . der Geistobjekte,
eifrig, klarbewußt, achtsam, weltliche Begierde und Kummer verwerfend."

"Was aber, ihr Mönche, ist rechte Sammlung?
Da tritt der Mönch, den Wunschobjekten entrückt,
losgelöst von den unheilsamen Dingen . . .
in die erste Vertiefung ein . . .
in die zweite Vertiefung . . .
die dritte Vertiefung . . .
die vierte Vertiefung."


(Siddhartha Gautama)


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